Wer gründete Rom?
Es bestehen drei Theorien in verschiedenen Varianten zur
Gründung Roms. Eine Sagenhafte mit vielen Verzierungen, eine Mögliche mit
nachvollziehbaren Folgerungen und eine Wahrscheinliche mit einer schlüssigen
Theorie.
Romulus und Remus
Rhea Silvia, eine unter Keuschheitseid stehende Vestalin,
gebar Zwillinge. Eigentlich war Rhea Silvia die Kronprinzessin, sie wurde aber von
ihrem Onkel Amulius als Nonne in den Tempel der Vesta getrieben, um dort keusch
das Ewige Licht zu hüten. Damit sicherte er sich und seinen Söhnen den Thron,
denn die Prinzessin sollte als Priesterin sexuell enthaltsam leben und somit keine
Nachkommen haben.
Die unschuldige Mutter wurde gefesselt vor den König
gebracht. In ihrer Not behauptete sie, sie sei von göttlicher Kraft übermannt
worden, Mars sei der Vater der beiden namenlosen Knaben. Nun auch noch der
Götterlästerung angeklagt, befahl der gnadenlose Thronschleicher die Prinzessin
bei lebendigem Leibe zu begraben. Ihre Säuglinge sollten im Tiber ertränkt
werden. Die mit dieser scheusslichen Aufgabe beauftragten Soldaten bekamen
Skrupel, sie betteten die Säuglinge in eine grosse Schale und legten sie an
einem sumpfigen Ufer ins flache Wasser und überliessen die Kinder ihrem
Schicksal.
Das Gewimmer der ausgesetzten Säuglinge lockte bald eine
Wölfin an, sie leckte die Jungen ab und gab ihnen bereitwillig ihre Zitzen.
Dies wiederum beobachtete Faustulus, der Oberhirte des grausamen Königs. Er
nahm sich der Kleinen an und versteckte sie bei seiner Freundin La Lupa (die
Liederliche/Wölfin), die zwar nicht gerade einen guten Ruf hatte, aber sie zog
die Knaben verständnisvoll voll auf.
Zu Jünglingen herangewachsen, gründeten Romulus und Remus
eine Jugendbande. Mit ihren Hirtenjungen durchstreiften sie die Wälder, jagten
Wild und verschonten auch mal fahrende Händler nicht.
Evander, ein alter Grieche aus Arkadien, wollte auch in der
Fremde arkadische Freudenfeste feiern. Dazu lud er die jugendliche Truppe ein
und liess sie halbnackt umhertanzen, unter allerlei zotigen Sprüchen der
betrunkenen Anwesenden. In diese aufgekratzte Stimmung platzten die fahrenden
Händler, die die Jungs am Morgen überfallen hatten. Diese waren aber gar keine
Händler sondern ebenfalls Strassenräuber denen ihre Beute von der Bande
abgejagt wurde. Es kam zu einer wüsten Schlägerei, in deren Verlauf Romulus und
Remus überwältigt und mitgenommen wurde. Die Strassenräuber hatten die Chuzpe,
die Gefangenen König Amulius vorzuführen und ihre Verurteilung zu fordern.
Dieser liess die beiden Delinquenten zu seinem älteren Bruder, den er vom Thron
gestossen hatte, überführen. Dieser sollte die Hinrichtung der Knaben überwachen.
Der alte König Numitor erkannte in den bereits zum Tode Verurteilten
seine eigenen Enkel. Der Grossvater erzählte Romulus und Remus die Geschichte ihrer
unglücklichen Mutter, die bei lebendigem Leib vergraben wurde, und wie Amulius
den Thron ergaunerte und deshalb auch Romulus und Remus töten liess. Remulus
schoss das nun blaue Blut hoch. Umgehend griffen Romulus und Remus mit ihrer
Hirtenarmee den Palast von Amulius an und töteten den Throndieb Amulius.
Grossvater Numitor erkannte schriftlich die Zwillinge als
seine Enkel an, somit waren sie wieder in der Erbfolge. Doch niemand wusste,
wer der Erstgeborene war. Romulus und Remus wollten die Frage durch ein
Augurium (Vor-zeichenerkennung durch Vogelbeobachtung) beantworten lassen. Sie
einigten sich auf den Urteilspruch der "kreisenden Vögel" und begaben
sich je auf einen Hügel. Dort warteten sie mit ausgestreckten Armen. Schon bald
kreisten 6 Geier über dem Aventium, auf dem Remus stand. Später flogen gar 12
Geier um den Palatium, was Romulus keinen Zweifel mehr liess, dass er gewonnen
hatte. Beide stiegen siegesgewiss vom Hügel herunter und begaben sich zum
verabredeten Ort. Remus der nur 6 Geier hatte, erklärte dem verblüften Romulus,
dass nicht die Menge entscheidet, sondern die Zeit. Und bei ihm seien die Vögel
halt viel früher da gewesen. Daraus ergab sich ein wüster Streit. Der erste der
beiden Brüder.
Jeder der Zwillinge wollte etwas Eigenes, etwas Grosses, etwas, das seinen Namen trug. Sie einigten sich, an der Stelle, an der sie von Faustulus gefunden wurden, gemeinsam ihre erste Stadt zu gründen. An ihren alten Bandenmitgliedern hatten sie Hilfe zum Aufbau und die erste Bevölkerung der Stadt. Das Unternehmen begann damit, das Romulus mit einem Pflug die Linie zog, an der als Erstes die Stadtmauer entlang gebaut werden soll. Remus lachte seinen Bruder wegen seiner Ängstlichkeit aus und hüpfte über die Grenzlinie. Romulus kam so in Rage, dass er seinen Zwillingsbruder totschlug und zornig meinte: "So fahre jeder, der über meine Mauer springt!"
Flammendes Inferno
Geflohene aus der brennenden Stadt Troja flüchteten übers
Meer nach Italien, um dort eine neue Heimat zu suchen. Die Bootsflüchtlinge
gingen an der laurentischen Küste an Land. Aeneas, der seinen alten Vater und die
trojanischen Schutzgötter Penaten unter Einsatz seines Lebens aus dem brennenden
Troja gerettet hatte, übernahm nach der Landung in Italien sofort die Führung.
Ihm hatten nämlich im Traum die Penaten die Weisung gegeben, einem Vierfüssler
zu folgen, um die Stelle zu finden, an der die erste Stadt entstehen soll. Eine
trächtige Sau kreuzte Aeneas Weg. Alle trojanischen Heimatverriebenen folgten
dem grunzenden Schwein in einem langen Zug. Dort, wo die Muttersau ihre Ferkel ablegte,
errichteten sie eine Stadt, die Aeneas später nach seiner Frau Livinium taufte.
Bald aber tauchte König Latinus, auf dessen Territorium sich die Flüchtlinge befanden, mit seinem gesamten Heer auf. Unverzüglich rüsteten sich die Trojaner zum Kampf. Kurz bevor König Latinus das Zeichen zum Angriff geben wollte, bemerkte er die edle und hochwertige Bewaffnung des Gegners, statt eines Knüppels hielten sie Schwerter, statt entblösster Heldenbrust schützten sie sich mit Brustpanzern und Helmen, und statt mit um den linken Unterarm gewickelten Lumpen, wehrten sie mit massiven Schildern die gegnerischen Angriffe ab.
Auch König Latinus entsann sich eines Traumes, in dem sich seine Götter zeigten und ihm rieten sich mit dem Feind zu vereinigen. So bat dieser um eine Unterredung mit dem Führer der Trojaner. Aeneas erzählte dem König der Aboriginer (indigenes Urvolk von Mittelitalien), dass die Trojaner eine Schrift entwickelt hätten, weiter beherrschten sie Ackerbau, Obstkultivierung und Viehzucht. All ihr Wissen würden sie gerne mit den Arobiginer teilen. König Latinus war begeistert, er schlug vor, die beiden Völker sollten sich vereinigen und gemeinsam das vorhandene Territorium nutzen. Aeneas willigte ein, zudem gab ihm der König seine schöne Tochter Lavinia zur Braut.
Schon bald wurde die neue Völkergemeinschaft von einem
fremden Heer angegriffen. Der Kampf ging lange hin und her, erst als es König
Latinus gelang den gegnerischen Feldherrn zu töten, bekamen die vereinigten Trojaner
und Aboriginer Oberhand. Doch der König bezahlte seine mutige Heldentat mit dem
Leben.
Nach gewonnener Schlacht kehrte Aeneas in die Stadt zurück.
Dort wurde er von der ganzen Bevölkerung jubelnd empfangen und sowohl Trojaner
wie Aboriginer wollten ihn als neuen König. Als gewählter Monarch gründete Aeneas
zwei neue Städte Alba Longa (langer Hügel) und eben Rom (ev. altgriechisch
"Rum" für weibliche Brust). Vielen gilt Aeneas als Stammvater der
Römer.
Die Etrusker waren im 1. Jahrtausend v. Chr. neben den Ägyptern
und den Griechen die dritte Hochkultur in der damals bekannten Welt. Sie
besiedelten in 12 Städten den italienischen Stiefel. Ihr Reichtum entsprang
hauptsächlich aus der Erzverhüttung, von der noch heute riesige Schlackenberge
bei Genua zeugen. Das gewonnene Eisen wurde zu Waffen und Werkzeugen weiterverarbeitet
und exportiert. Von ihrem ausgelassenen Lebensstil erzählen Fresken in den unterirdischen
Nekropolen (Totenstädte) in ganz Italien. Die Etrusker sind wohl die Urheber des "Dolce Vita" und der
«Italianita».
Die sieben römischen Hügel Palatin, Aventin, Kapitol, Quirinal, Viminal, Esquilin und Caelius waren von einzelnen Sippen der Italiker bewohnt. Dazwischen breitete sich ein Sumpfgebiet aus.
Etruskische Krieger aus der nahen Stadt Veji zwangen die Hügelbewohner
den Sumpf trocken zu legen und dort eine gemeinsame Stadt zu bauen. Der Name der
753 v.Chr. gegründeten Stadt Roma könnte vom etruskischen Adelsgeschlecht der
Ruma hergeleitet sein. Über 200 Jahre lenkten etruskische Könige die Geschicke der
Stadt Rom. Laut dem Lucretia-Mythos wurde der tyrannische, letzte König Lucius
Tarquinius Superbus wegen der Vergewaltigung der angesehenen und beliebten Lucretia
Spurius durch die Cloaca Maxima aus der Stadt gejagt. Im Jahre 510 v. Chr.
gründeten die Römer die Republik.
Der Zusammenschluss der sieben Hügelgemeinden unter der Ägide der Etrusker wird von der
Wissenschaft als die wahrscheinlichste Gründungsgeschichte Roms angesehen.
PS: Ich möchte mich vermehrt einem Experimental-Film Projekt
widmen und kann desshalb vorläufig nicht mehr wöchentlich einen neuen Post
absetzen.
Kontakt alexander@jent.ch




