Misslungenes
Werk
Dank Giorgio
Vasari (1511 – 1574) wissen wir einiges über die Künstler der Renaissance wie Leonardo
da Vinci, Raffael und Michelangelo. Er war Kunst- und Architekturkritiker und
auch ein recht guter Maler. Allerdings gilt sein grösstes Werk unter allen
Kunsthistorikern als misslungen. Er gestaltete die Innenmalerei der Kuppel des
Doms Santa Maria del Fiore in Florenz. Sie war fast 500 Jahre lang die grösste
Kuppel der Welt mit einem Durchmesser von 45 Metern und einer Höhe vom Boden
aus von 108 Metern.
Es wurde
gemunkelt, das Vasari mit seinem Werk «Giudizio finale» Michelangelos „Jüngstes
Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle übertreffen wolle.
Er übervölkerte
seinen über 4000 m² grossen Fresken-Zyklus mit Hunderten von überlebensgrossen Kolossalfiguren,
die allerlei Sünden der
Menschheit, die Leiden in der Hölle und die posaunenden Wächter des Himmels
darstellen.
Die überfüllte Malerei drückt auch die Höhe der Kuppel zusammen. Die steilen Wände der hohen Kuppel bewirken zudem eine starke optische Verzerrung, somit kann man aus 100 Metern Entfernung eigentlich nichts mehr erkennen.
Dass ein Löwe
auf Eselsbeinen steht und ein Esel Löwenpranken hat ist nicht Vasaris Schuld,
der ulkige Fehler wurde von Federico Zuccari, der nach dem Tod von Vasari das Werk fertigstellte,
gemacht. Aber eben, man kann es höchstens mit einem Fernglas sehen.
Vasaris
Künstlerportraits
Praktisch
über alle Künstler der Renaissance und des Manierismus schrieb Vasari
Biographien, besprach kritisch ihre Bilder und beurteilte sie.
Zu
Leonardo da Vinci schrieb
er: «Was er leistet, ist von Gott gespendet, nicht durch menschliches Können
erzwungen».
Und über «Michelangelo
stellte Herrn Tommaso in einem grossen Bilde nach der Natur dar, er, der weder
vorher noch nachher jemals ein Portrait fertigte, da es ihm ein Greul war,
etwas nach dem Leben zu malen, wenn es nicht von höchster Schönheit war.“
Drei
Kunstepochen-Bezeichnungen gehen auf Giorgio Vasari zurück. Den französischen
Spitzfenster-Stil bezeichnete er abwertend als «gotico» was im Italienischen fremdartig,
barbarisch oder wirr bedeutet. Als Erster rief er zu einer «rinascita» auf, und
zu einer Zeichen-Technik schrieb er: «Questo è tipico della mano di Leonardo
da Vinci». Davon leitet sich die Epoche des «Manierismus» (1520 bis 1600) ab.
Schon während der Renaissance befreite sich die Kunst im Manierismus von den letzten Ketten der kirchlichen Kunstgebote. Jeder malte wie und was er wollte. Somit konnte jedes Bild mit Leichtigkeit zugeordnet werden. Man sah auf den ersten Blick von welcher «Hand» es kam. So gestaltete zB. Giuseppe Arcimboldo Portraits aus Obst und Gemüse.
«Questo è tipico della mano di Leonardo da Vinci» «Johannes
der Täufer» Skizze und Gemälde.
Meine
Bildanalyse zu «Maria mit dem langen Hals»
In diesem
Bild durchbricht Girolamo Francesco Maria Mazzola, wie er eigentlich heisst,
alle Regeln der tradierten Mariendarstellung. Statt dem üblichen blauen
Kopftuch trägt sie ein funkelndes Diadem. Auch umkränzt ihr Haupt kein
Heiligenschein. Sie sitzt nicht wie vorgegeben auf einem Thron, sondern
offenbar auf einer abschüssigen Ebene.
Sehr ungewöhnlich
ist auch die Darstellung ihres Gewandes. Es scheint wie ein nasses Tuch um den
Körper zu liegen und betont mehr das weibliche Element der Figur, als es zu
verhüllen. Der blaue Umhang, das Symbol der Göttlichkeit Mariens, gleitet ihr
bald gänzlich vom Körper. Die ganze Figur ist von übersteigerter Eleganz.
Das neugeborene Jesuskind ist schon mindestens 10 Jahre alt. Es droht bei der nächsten Gelegenheit vom Schoss Mariens zu fallen. Jesus wirkt als sei er bewusstlos.
Allerdings wirft,
auf Bauchhöhe des Mädchens, ihr Kleiderstoff Wellen deren Schattenspiel
einen Kinderkopf entstehen lässt. Ist sie schwanger? Jedenfalls kann sie das
Jesulein nicht sehen, da es durch den Arm von Maria verdeckt ist.
Über das silberne Gefäss auf der linken Seite rätseln die Kunsthistoriker, ob es ein alchemistisches Utensil sei, denn Parmigianino betrieb, wie viele seiner Künstlerkollegen, im Geheimen Alchemie, oder eine Vase (Sinnbild der Heiligen Mutter) die die Engel zum Geschenk mitbringen.
Der Junge mit dem Wasserspender schaut verzaubert direkt auf das lasziv ausgestellte Attribut von Marias Weiblichkeit.
Das Kreuz auf dem Gefäss weist für mich auf ein Weihwasserspender hin. Oder ist es eine prophetische Spiegelung von Jesus Zukunft am Kreuz?
Das Bild scheint unvollendet, wie die meisten Kunsthistoriker glauben. Die einen meine er hätte einen anderen Auftrag vorgezogen, die anderen, dass er wegen seines frühen Todes mit 37 Jahren das Gemälde nicht beenden konnte. Darauf weist auch eine kleine Inschrift auf dem Gemälde hin (im nachfolgenden Bild zu finden).












