Kunstgeschichte..........................................Venus und Amor


Meine Kunst-Dozentin Frau Prof. Dr. D. Hammer-Tugendhat von der Universität Wien hat sich in der Aktion auf dem Bild «Venus und Amor» von Lorenzo Lotto arg getäuscht. Sei es auf Grund ihres feministischen Blickwinkels oder aus sexueller Unerfahrenheit. Sie meint, Amor onaniere auf seine Mutter.

Lorenzo Lotto (1480 – 1557)  «Venus und Amor»  Metropolitan Museum of Art, New York. Format 92.4 cm × 111.4 cm.


Der männliche Orgasmus wird durch Kontraktionen der Prostata ausgelöst. Folglich wird das Ejakulat stossweise und nicht wie beim Wasserlassen kontinuierlich ausgestossen. Zudem ist das Sperma milchig-weisslich und von zäh-cremiger Konsistenz. Ein hervorragender, naturalistischer Maler wie Lorenzo Lotto würde niemals einen Orgasmus malen der wie Pissen aussieht.

Piss-Spiele machen kleinen Jungs auch heute noch Spass. Ziel-Pissen, Distanz-Pissen oder Figuren in den Schnee pinkeln.        

Natürlich könnte das bei Amor anders sein. Er gilt als schalkhaft verspielt und immer auf der Suche nach Opfern, die er mit seinen mit goldener Spitze versehenen Pfeilen treffen und dadurch verliebt machen kann. Im Gegensatz zum Amor carnalis erzeugt er nicht fleischliche Liebe, sondern unschuldige Verliebtheit. Er hat ja auch Engelsflügel.

Mama hält ihrem Amor zwar den Lorbeerkranz durch den er biselt etwas zu hoch, lachend drückt Amor den Zielkreis nach unten. Am Kranz hängt als Glückssymbol ein Räuchergefäss. Sein schief hängender Siegerkranz zeugt von Ausgelassenheit.

Der Gesichtsausdruck von Venus wirkt verständnisvoll gegenüber den ausgelassenen Bubenspielen ihres Jungen und auch etwas amüsiert. Falls der kleine Pisser überborden sollte, liegt neben ihr eine Rute am Boden. Sie hat zwar ein Brustband um ihren Leib geschnürt, um ihren Busen zu heben, aber die blassrosa Rosenblätter auf ihrer Scham weisen auf den nicht sexuellen Hintergrund der Szene hin (Die weisse Rose ist Symbol für Unschuld, Reinheit, Treue oder Entsagung).

Doch ein Käfer (Skorpion?) hat sich eines der Rosenblätter geschnappt und trägt es eilends weg, zudem schleicht eine Schlange unter der Decke hervor (Sinnbild der Versuchung und Verführung zum Bösen). Und über dem Kopf von Venus hängt eine Schneckenmuschel (die Windungen der Lüge). Das erotische Spiel findet Draussen, jedoch durch rote Tücher verdeckt, statt. Vielleicht steckt doch mehr dahinter? Das Spiel scheint bis jetzt jedenfalls Beiden zu gefallen.

 

Allegorie der Liebe

Eine etwas härtere Gangart schlägt Agnolo Bronzino (1503 – 1572) in seinem Werk «Allegorie der Liebe», das auch unter den Titeln: Venus küsst Amor; Venus, Cupido, Wahnsinn und Zeit; Die Wahrheit wird enthüllt durch die Zeit; oder Die Enthüllung der Üppigkeit, bekannt ist.

Alle Deutungen beruhen auf Giorgio Vasaris Beschreibung aus dem Gedächtnis: Ein Bild von einzigartiger Schönheit. Auf ihm sind eine nackte Venus mit Amor, der sie küsst, und auf der einen Seite sind das Vergnügen (Piacere), sowie das Spiel (Giuoco) und andere Amoretten, und auf der anderen Seite die Tücke (Fraude), die Eifersucht (Gelosia) und andere Leidenschaften der Liebe.

Das Bild wurde im Auftrag von Cosimo I. de’ Medici gemalt, der es später als diplomatisches Geschenk dem französischen König Francois I. zukommen liess.

Zur gleichen Zeit wie die «Allegorie der Liebe» malte Bronzino, der eigentlich Agnolo di Cosimo di Mariano hiess, und wegen seines braunen Teints den Spitznamen Bronzino bekam, in der Basilica di San Lorenzo in Florenz das Fresko «Das Martyrium des hl. Laurentius». 

 


Allein aus der Anzahl seiner Titel lässt sich folgern, dass der Sinn des Bildes «Allegorie der Liebe», sich nicht einfach erschliessen lässt, und es ist auch häufig und auf unterschiedliche Weise interpretiert worden. 

Bronzino «Allegorie der Liebe» National Gallery, London, Format 146 cm × 116 cm


Venus, auf einem hellblauen Seidentuch sitzend, hält in der linken Hand den goldenen Apfel, den ihr Paris als Preis für die schönste griechische Göttin überreicht hatte (Urteil des Paris). In der erhobenen Rechten hält sie einen Pfeil, den sie offenbar aus Amors Köcher gezogen hat und mit dem sie sich eventuell selber stechen will.

Amor drängt sich mit erhitzten Wangen an die Mutter, greift an ihre Brüste und küsst sie auf den Mund. Venus erwidert mit geöffneten Lippen und ihrer Zunge den Kuss. Amor bietet auf roten Kissen kniend seinen Po so dar, als wünschte er penetriert zu werden. Die Täubchen unter Amors Fuss unterstreichen als Symbole für leidenschaftliche Liebe den erotischen Reiz der Szene.

Über der ganzen Gruppe breiten zwei Gestalten mit dramatischer Geste ein grosses blaues Tuch aus (Blau Farbe der Wahrheit), man weiss nicht, wollen sie die Szene verhüllen oder haben sie die Akteure gerade entschleiert, um sie ans Licht der Wahrheit zu bringen. Der kahlköpfige Alte mit grauem Bart ist an seinen Flügeln als Gott Saturn und damit als Allegorie der Zeit zu identifizieren. Die zweite Figur könnte eine Allegorie der Wahrheit – die Tochter der Zeit – sein, auf die einer der Bildtitel anspielt. Eventuell will sie aber die Wahrheit ans Licht bringen und Vater Saturn Gras über die Sache wachsen lassen.

Das Bild zeigt eine Fülle von Figuren, die sich dicht gedrängt um das zentrale Paar von Venus und Amor gruppieren. 




Der Knabe mit den Glöckchen an den Fesseln, der im Begriff ist, Rosen auf das Paar zu streuen, kann als Allegorie von Spiel und Vergnügen gelten.




Am schwersten zu deuten ist die dunkelhaarige Figur mit dem Perlendiadem, die dem Betrachter eine Honigwabe entgegenhält. Der vor dem blauen Vorhang wie in der Luft schwebende Kopf gehört offenbar ebenso wie die anatomisch rätselhaft verdrehten Hände (linke Hand am rechten Arm und rechte Hand am linken Arm) zu einem mit Schuppen bedeckten Vogelkörper und den Löwentatzen einem Mischwesens.

Vasari deutet diese Figur als Fraude, d. h. als Tücke und heuchlerische Falschheit im Ränkespiel der Liebe. Nach Cesare Ripa, der unerschöpflichen Quelle für gelehrte Verschlüsselungen in Kunst und Literatur.  Fraude ist eine Gestalt mit einem Vogelleib, Tierfüssen und zwei Köpfen, die sich hinter Masken verbergen. 


Deuten könnte man das Bild als spöttischen Kommentar zu den Widersprüchlichkeiten der Liebe: Liebe als ambivalente menschliche Erfahrung, die sowohl Freuden als auch Leiden bereitet, bei der man sich leicht der Täuschung hingibt, die den Liebenden zum Wahnsinn bringen kann und die vergänglich ist. Sie erscheint und verschwindet durch das Wirken der Zeit.

Das Bild ist ein Beispiel für das am Florentiner Hof und an anderen Höfen während des Manierismus beliebte Spiel mit mythologischen Geschichten, mit gelehrten Allegorien und Rätseln, die die Fantasie und das Bildungswissen der Betrachter herausfordert.


Entschuldigt allfällige Orthografie Fehler, ich bin seit Karl dem Grossen der schwerste Legastheniker der Geschichte. Auch die Komasetzung ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln.


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