„De Bello Gallico“ von Gaius Julius Caesar


Caesar war ein Sohn der mächtigen Familie der Julier. Statt seine militärische Ausbildung weiter zu führen oder den Cursus Honorum (Beamtenlaufbahn) zu beginnen, setzt er sich nach Griechenland ab. Auf der Überfahrt wird sein Schiff von kilikischen Piraten gekapert, die Seeräuber fordern ein Lösegeld für die Freilassung des prominenten Gefangenen. Der am Mast gefesselte Caesar verhöhnt die Piraten, das Lösegeld hätten sie viel zu tief angesetzt, er sei deutlich mehr Wert, aber das spiele ja ohnehin keine Rolle, denn er werde, sobald er wieder frei sei, zwei Schiffe mit kämpferischen Besatzungen kaufen und den Seeräubern das Lösegeld wieder abjagen und sie alle töten. Nach seiner Freilassung machte Caesar umgehend seine Drohung wahr, keiner der Piraten überlebte.

 

Oligarchischer Putsch

Durch einen Pakt der Patrizier Familie der Julier und dem reichen Geschlecht der Crassus mit den erst vor kurzem von den Plebejern (Plebs - Volk) aufgestiegenen Familie Pompei errang ein Triumvirat die Macht im Staat.

Um seine Mitregenten in den Schatten zu stellen und die Alleinherrschaft an sich zu reissen, sann Caesar nach einer epochalen Tat. Er entschloss sich ganz Gallien bis zur Nordsee und eventuell auch noch das Barbaricum Germanium zu unterwerfen.

 

Epischer Roman statt genauer Bericht

Statt der vom Senat vorgegebenen, normierten Kriegsrapporten, unterrichtete Caesar in acht romanhaften Büchern Senat und Volk von Rom über seine Erfolge in Gallien. „De Bello Gallico“ (Der Krieg in Gallien) liest sich aber stellenweise, überspitzt gesagt, wie eine von Karl May erfundene Münchhausiade.

Krasse Beispiele:

Wenn der Schlachtenplan es zu lies beschrieb Caesar gerne auch mal Pflanzen und Tiere, die auf der italienischen Halbinsel nicht vorkamen. 


Der Auerochse

«Eine Tierart sind die sogenannten Auerochsen, die in ihrem ganzen Äusseren, besonders an Gestalt und Farbe, dem Stier nahekommen, aber fast so gross sind wie ein Elefant. Diese Tiere besitzen eine gewaltige Stärke und Schnelligkeit; jeder Mensch und jedes Tier, das sie erblicken, ist verloren. Man gibt sich deshalb viel Mühe, sie in Gruben zu fangen und zu töten: ein mühevolles Jagdgeschäft, in dem sich die jungen Leute üben und abhärten; grosses Lob erhält deshalb, wer die meisten erlegt hat und zum Beweis der Tat die Hörner der Tiere dem Volk vorweist. Der Auerochse wird übrigens nie zahm und gewöhnt sich nicht an die Menschen, auch wenn man ihn ganz jung einfängt; seine Hörner sind an Weite, Gestalt und Aussehen von den Hörnern unsere Ochsen sehr verschieden; man sucht sie eifrig, fasst den Rand mit Silber ein und verwendet sie bei glänzenden Festmählern als Trinkbecher» (Caes.Gall. 6,27,1).



Der Elch

«Ferner der Elch. Er gleicht an Gestalt und Farbenwechsel des Fells dem Reh, ist aber etwas grösser; seine Hörner sind nur ein Stumpf, und seine Beine ohne Knöchel und Kniegelenke. Wenn er ausruhen will, legt er sich deshalb nicht nieder und kann sich, wenn er durch einen Zufall niederstürzt, nicht wieder aufrichten. Bäume dienen ihm daher als Lager; an sie lehnt er sich an und so ruht er aus. Wenn nun die Jäger an den Spuren bemerken, wo er sich hinzubegeben pflegt, so untergraben sie entweder alle Bäume in der Wurzel oder hauen sie so an, dass sie nur noch dem äussersten Schein nach stehen. Lehnt sich dann ein Elch seiner Gewohnheit nach daran, so drückt er den geschwächten Baum durch seine Last nieder und fällt selbst mit zur Erde.» (Caes.Gall. 6,27,1)

Caesar hat offensichtlich weder einen Auerochsen noch einen Elch je mit eigenen Augen gesehen. Zudem wurde der Auerochse schon in der Steinzeit domestiziert. Da hat wohl ein Germane mit seinem Leben gespielt, als er Caesar diesen Bären aufgebunden hat.

 

Die Helvetier unterwegs in den warmen Süden.

Auf Caesars Kriegszug durch Gallien querten nahe Genf als erste die Helvetier den Weg des römischen Feldherrn. Der keltische Stamm hatte seine Siedlungen im Mittelland und den Voralpen aus klimatischen Gründen aufgegeben und war auf dem Weg in die Province.

Caesar aber schickte sie zurück, da das Volk der Helvetier Rom als Puffer zu den barbarischen Germanen diente. Die übermütigen Helvetier weigerten sich aber umzukehren, so kam es 58 v. Chr. zur Entscheidungsschlacht bei Bibracte bei der die helvetische Armee praktisch aufgerieben wurde. Viele überlebende Helvetier wurden als Sklaven verkauft.

Caesar lässt Tote und Überlebende zählen: « Diese Berechnung belief sich für alles auf 263.000 Helvetier und 105.000 keltische Mitläufer; die Zahl der Waffenfähigen betrug gegen 92.000. Im ganzen waren es 368.000 Köpfe. Die Anzahl derer, die in die Heimat zurückkehrten, betrug nach der Zählung, die auf Cäsars Befehl vorgenommen wurde, 110.000.“ (Caes.Gall.4,12ff.)

Diese Zahlen sind reine Propaganda. Den Gegner stärker machen als er ist bedeutet bei einer Niederlage gegen einen übermächtigen Kontrahenten verloren zu haben, und bei einem Sieg einen starken Gegner geschlagen zu haben. Würden Caesars Zahlen stimmen, so haben Militärhistoriker ausgerechnet, dass unter den damaligen Wegbedingungen in der Schweiz der ganze Zug mit Pferden und Ochsenkarren etwa 130 Kilometer lang gewesen wäre. Es sind wohl auch weit weniger Helvetier zurück in die Pufferdienste für Rom gegangen.


Im 5. Jahrhundert, nach dem Rückzug der Römer, strömten Alamannen über den Rhein und liessen sich im Schweizer Mitteland nieder. Nach wenigen Generationen war die helvetische Restbevölkerung in den Alamannen aufgegangen. Somit besteht zwischen den heute lebenden Schweizern und den Helvetiern weder eine genetische noch kulturelle Beziehung. Die Alamannen sind die Urväter der Schweizer.

 

In 10 Tagen eine Brücke über den Rhein

Nach den ersten Scharmützeln mit germanischen Kriegern, dachte Caesar über ein weiteres prestigeträchtiges Unternehmen nach, die Überquerung des Rheins mittels einer Brücke und das Eindringen ins germanische Barbaricum.

Die Behauptung, flugs in 10 Tagen eine 400 Meter lange, stabile Brücke über den reissenden Rhein geschlagen zu haben, bezweifeln viele Historiker.     

Die germanischen Ubiern, die als einzige mit den Römern einen durch Geiseln bekräftigten Vertrag eingegangen waren, hätten sofort Schiffe zum Übersetzen über den Rhein bereitstellen können, aber Caesar wollte seine selbstentworfene Brücke bauen. Er behauptete die Strömung sei zu stark, um sicher mit Kähnen ans andere Ufer zu gelangen. Caesar beschrieb die Konstruktion der Brücke bis ins letzte Detail in seinem Buch „De Bello Gallico“ Band 4 (Caes.Gall 4,17,1).

 



Schätzungsweise 50 Brückenjoche bestehend aus 12 Baumstämmen mussten in den Boden getrieben werden. Zusätzlich bauten sie vor jeden Brückenpfeiler stromseitig noch einen Rammschutz. Damit der ganze Tross einschliesslich Reiterei gut über die Brücke kam, wurde das Ganze noch mit einer Auflage aus Erde versehen und mit Geländern gesichert.

Nach der Beschreibung Cäsars handelte es sich bei dem Brückenbau um eine neue, vorher noch nie angewandte Technik. Den Namen des verantwortlichen Militäringenieurs verrät er allerdings in seinem Buch nicht.

 

„Cäsar blieb nur wenige Tage in ihrem Gebiet, steckte alle Ortschaften und Gebäude in Brand, mähte die Feldfrucht ab und begab sich zu den Ubiern zurück, denen er für den Fall einer ferneren Anfeindung durch die Sueben (Schwaben) seine Unterstützung zusagte. Dagegen erfuhr er von diesen Folgendes: Nachdem die Sueben vom Bau der Brücke durch Kundschafter erfahren hatten, hätten sie ihrer Landessitte gemäss eine Versammlung abgehalten und nach allen Richtungen Boten ausgesandt mit dem Befehl, die festen Plätze zu verlassen, Weiber, Kinder und alle Habe in die Wälder zu schaffen und mit der ganzen waffenfähigen Mannschaft an einem Ort zusammenzurücken, wozu man ungefähr den Mittelpunkt des ganzen Suebenlandes auswählte; dort wollten sie die Ankunft der Römer erwarten und zu einem entscheidenden Treffen bereit sein. Cäsar, der dies vernahm, glaubte, für Ruhm und Vorteil genug getan zu haben, da der ganze Zweck seines Zuges über den Rhein erreicht war, den Germanen Furcht einzujagen. Nach einem Aufenthalt von achtzehn Tagen zog er sich nach Gallien zurück und liess die Brücke wieder abreissen.“ (Caes.Gall. 4,19,1)

 

Für Cäsar war der «Bau einer Rheinbrücke in 10 Tagen» in jeder Hinsicht ein Erfolg: Er hatte sowohl den feindlichen als auch den befreundeten germanischen Stämmen ein eindrucksvolles Zeugnis der römischen Überlegenheit geliefert. Aber auch in Rom vergrösserte die Behauptung in nur 10 Tagen diese technische und strategische Meisterleistung errichtet zu haben Cäsars Ansehen erheblich und liess seine Kritiker für einige Zeit verstummen.

 

Nachspiel

Die Germanen, die selbst nicht dazu in der Lage gewesen wären nur einen einfachen Steg über den Rhein zu bauen, waren von der römischen Überlegenheit schwer beindruckt. Doch schon 60 Jahre später brachten die vereinigten, germanischen Stämme unter Führung von «Hermann dem Cherusker» den Römern die wohl schmählichste Niederlage bei. In der Varusschlacht lockten sie durch eine List drei römische Legionen, die den formierten Kampf auf einem Schlachtfeld gewohnt waren, in den Teutoburger-Wald. Auf dem ungewohnten Terrain wurden die überraschten Römer von den Germanen gnadenlos niedermetzelt.

 

Britannia!

Nur wenige Monate später verliess Caesar Germanien und Gallien, um mit seinen Legionen zum ersten Feldzug nach Britannien überzusetzen. Auch in Britannien ging es Cäsar nur darum, die britischen Stämme für die Unterstützung der Gallier zu bestrafen und um zu zeigen, dass jederzeit ein römisches Heer über den Ärmelkanal setzen und in Britannien landen kann. Was keine Hundert Jahre später auch geschah, als Kaiser Claudius mit 20.000 Legionären die Insel eroberte.

 

Triumphale Heimkehr

Nach der Rückkehr Caesars von seinem erfolgreichen Kriegszug, der ihn bis nach Britannien führte, organisierte der Senat für ihn und sein Heer einen der seltenen Triumphzüge durch Rom.

Ein Triumphzug war an genaue Regeln gebunden, er ging über eine festgelegte Route vom Marsfeld durch die Porta Triumphalis, das Forum Boarium, weiter durch den Circus Maximus, über das Forum Romanum zum Kapitol, wo der Triumphator vor dem Tempel des Jupiter ein feierliches Tieropfer darbrachte. Die ganze Strecke war von jubelnden Menschen gesäumt.

Der Triumphator fuhr in einer goldenen Quadriga (Vierspänner). Er trug die purpurne Toga, die grässlich nach Fisch stank, da die seltene und extrem teure Farbe aus einem Sekret der Meeresschnecke und Urin bestand. Sein Gesicht war, nach dem Vorbild der Statue des Jupiters, mit Mennige rot eingefärbt. Hinter dem Triumphator stand ein Sklave auf dem Wagen, der versuchte, eine geheiligte, goldene Eichenlaubkrone über dem Haupt des Geehrten zu halten, während er pausenlos dem Triumphator ins Ohr flüsterte: «Bedenke, auch du bist nur ein Mensch».

 


Danach zettelte Caesar einen Bürgerkrieg an der von 49 bis 45 v. Chr. dauerte und in dem er sich gegen seinen ehemaligen Verbündeten Gnaeus Pompeius Magnus und dessen Anhänger durchsetzte und die Alleinherrschaft errang. Nach seiner Ernennung zum Diktator auf Lebenszeit fiel er 44 v. Chr. einem Attentat durch Mitglieder des Senats zum Opfer.

 

Der Name Caesar wurde zum Bestandteil des Titels aller nachfolgenden Herrscher des römischen Imperiums. In den entlehnten Formen Kaiser und Zar wurde der Name später auch zum Titel der Herrscher des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, des Deutschen, des Österreichischen, des Bulgarischen, des Serbischen, und des Russischen Reiches.

 

Kapitel «Gaius Julius Caesar»                                                                                                                             aus der Semesterarbeit: «S.P.Q.R.» das Römische Imperium

 

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