Malerinnen der Moderne

 

Nach dem 1. Weltkrieg gelang es immer mehr Künstlerinnen sich Achtung zu verschaffen. Käthe Kollwitz, Suzanne Valadon, Marianne von Werefkin, Clara Porges, Natalja Gontscharowa, Mlle Cassatt, Sophie Taeuber-Arp, Meret-Oppenheim und weitere Frauen galten bei Malerkollegen als künstlerisch ebenbürtig. Im Kunstmarkt mussten sie allerdings weiterhin hinten anstehen.

 

Marianne von Werefkin (1860–1938)


1896, nach dem Tod ihres Vaters mit einer noblen zaristischen Rente ausgestattet, zog Werefkin mit Lebensgefährten Alexej von Jawlensky und ihrem Dienstmädchen Maria Nesnakomoff nach München. Während sie Jawlenskys Weiterbildung bei dem Slowenen Anton Ažbe finanzierte, legte sie ihr eigenes künstlerisches Schaffen für 10 Jahre nieder.

Werefkin wusste, dass Jawlensky ein Schürzenjäger war: „Die Liebe ist eine gefährliche Sache, besonders in den Händen Jawlenskys.“ Sie lehnte eine Heirat ab, nicht zuletzt wegen der grosszügigen Rente des Zaren, die sie als verheiratete Frau verloren hätte. Aber sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, ihn als Künstler in jeder Hinsicht zu fördern. Er sollte an ihrer Stelle künstlerisch all das erreichen und verwirklichen, was einem „schwachen Weibe“ ja ohnehin verwehrt war.

Jawlensky dankte es ihr, indem er die neunjährige Hélène Nesnakomoff missbrauchte, die Tochter von Werefkins Zofe, mit der er schon ein Verhältnis hatte.

 

Der Frevel


1906 reiste Werefkin mit Jawlensky nach Sausset-les-Pins bei Marseille, wo ihr Malerfreund Pierre Girieud wohnte. Dort am Mittelmeer nahm Werefkin ihre künstlerische Tätigkeit wieder auf. Als sie nach zehnjähriger malerischer Abstinenz künstlerisch wieder tätig wurde, griff Werefkin sofort und sehr direkt auf Japanisches zurück. Durch ihre Darstellungen des Tänzers Alexander Sacharoff mit japanischer Schminkmaske und in Mie-Pose, zeigte sie ein Faible für die fernöstliche Kultur.



Im Jahr 1907 entstanden ihre ersten expressionistischen Gemälde. Stilistisch folgte sie den «Theorien von Vincent van Gogh, der Flächenmalerei von Paul Gauguin, der Ton-in-Ton-Malerei von Louis Anquetin, der karikativen und plakativen Malerei von Henri de Toulouse-Lautrec». In ihrem Freundeskreis in München erhielt sie bald den Beinamen „Die Französin“.

 

Tragische Stimmung, 1910

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 mussten Werefkin und Jawlensky Deutschland innerhalb von 24 Stunden verlassen und flohen mit dem Dienstpersonal Maria und Helene Nesnakomoff und deren Sohn Andreas in die Schweiz. Die Maler Cuno Amiet,  Paul Klee und seine Frau Lily halfen den nun mittellosen Flüchtlingen, denn durch die Kriegswirren und die russische Oktoberrevolution verlor Werefkin ihre zaristische Pension.

 

1916 fand eine Einzelausstellung in Zürich statt Es folgte eine Beteiligung am Cabaret Voltaire.

 

La Bise, 1915

 

1918 zogen Werefkin und Jawlensky nach Ascona am Lago Maggiore. 1919 war Werefkin an einer Ausstellung „Maler von Ascona“ beteiligt. 1920 wurden einige ihrer Werke auf der Biennale in Venedig gezeigt.

 



1921 trennte sich Jawlensky von Werefkin und zog nach Wiesbaden, wo er 1922 Werefkins Haushälterin Helene, die Mutter seines Sohnes Andreas, heiratete. Werefkin lebte in der Schweiz stets als Staatenlose, ausgestattet mit einem Nansen-Pass

Immer wieder verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt auch mit dem Malen von Plakaten und Bildpostkarten oder sie schrieb Artikel, beispielsweise 1925 für die Neue Zürcher Zeitung, in der als Folge ihre Eindrücke einer Reise nach Italien abgedruckt wurden.


Vivi e morti (Lebende und Tote) 1924

 

La Famiglia, 1922, Museo comunale, Ascona

 

Die typisch russischen Merkmale in Werefkins Malerei, insbesondere in der Farbgebung, sollten in ihrem Alterswerk in Ascona besonders deutlich in Erscheinung treten. Ihre Werke wurden allgemein erzählerischer, verinnerlichter und noch hintergründiger als zuvor.

Als Werefkin am 6. Februar 1938 in Ascona starb, wurde sie unter Anteilnahme fast der gesamten Bevölkerung nach russisch-orthodoxem Ritus auf dem dortigen Friedhof beerdigt.

 


 

Natalja Gontscharowa (1881–1962)

 


Natalja Gontscharowa wirkte selbstbewusst an der Spitze der russischen Avantgarde. Inspiriert von russischer Folklore prägte sie zunächst den neoprimitiven Stil (Marc Chagall) und beteiligte sich dann prominent an der Entwicklung von Kubofuturismus und Rayonismus. 1913 zeigte sie in der ersten Einzelausstellung einer Frau in Russland über 800 Werke.

 

Radfahrer (1913)

Natalja Gontscharowa trat 1913 bei einer frühen Performance mit abstrakter Gesichtsbemalung provokativ in der Öffentlichkeit auf und geriet 1914 in Konflikt mit russischem Klerus und der Obrigkeit, weil sie – zumal als Frau – Ikonenmalerei mit profanen Elementen verband. Als Künstlerin zeichnete Gontscharowa eine kompromisslose Haltung aus.

Sie wirkte auch als Illustratorin sowie als Bühnen- und Kostümbildnerin.






Katzen - eine rayonistische Perzeption (Wahrnehmung) in Rosa, Schwarz, Gelb, 1913

 

 

Meret Oppenheim (1913 -1985) 

 


Schon ihre Grossmutter Lisa Wenger hatte in Düsseldorf die Kunstakademie besucht und war Malerin und Kinderbuchautorin. So kam Meret Oppenheim schon frühzeitig in Kontakt mit Kunstschaffenden. Um das Jahr 1931 verliess sie die Schule und entschloss sich Malerin zu werden. Im Mai 1932 fuhr sie mit ihrer Freundin Irène Zurkinden nach Paris.

 

„Muse der Surrealisten“

In Paris lernte sie Alberto Giacometti und Hans Arp kennen, die von ihren Arbeiten fasziniert waren und sie einluden, im Salon des Surindépendants auszustellen. Im Herbst 1933 machte sie die Bekanntschaft von Max Ernst, mit dem sie eine bis in das folgende Jahr andauernde Liebesbeziehung hatte.

Man Ray fotografierte sie 1933 in dem Bildzyklus «Érotique voilée», was ihr den Ruf der „Muse der Surrealisten“ einbrachte.

 

                                                                  Meret-Oppenheim mit Kubismus - Maler Louis Marcoussis 

 

In dieser Zeit, entstanden einige wichtige Kunstobjekte. Darunter waren das «Déjeuner en fourrure» („Frühstück im Pelz“) aus dem Jahr 1936, die im selben Jahr auf der Londoner International Surrealist Exhibition gezeigt wurde. Das Kunst-Objekt wurde zum Inbegriff des Surrealismus.

 



„Don’t cry, work!“

Um eine finanzielle Durststrecke zu überbrücken, machte sie 1936 auch Modeentwürfe. 1939 beteiligte sich Oppenheim an einer Ausstellung für fantastische Möbel und zeigte dort unter anderem einen Tisch mit Vogelfüssen.

 


1982 wurde Meret Oppenheim mit dem grossen Preis der Stadt Berlin geehrt, und sie nahm an der documenta 7 in Kassel teil. 1983 wurde der von ihr geschaffene Meret-Oppenheim-Brunnen auf dem Waisenhausplatz in Bern eingeweiht,



Kurz vor ihrem Tod wurde sie Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Am 15. November 1985, am Tag der Vernissage zu ihrem Buch Caroline, starb Meret Oppenheim.

 


 Sophie Taeuber-Arp (1889–1943)


Erst nach ihrem Tod berühmt und anerkannt wurde die Malerin, Bildhauerin, Textilgestalterin, Innenarchitektin und Tänzerin Sophie Taeuber-Arp Mitbegründerin des Dadaismus und Vertreterin einer geometrischen, konstruktiven und konkreten Malerei.

Bereits 1915 malte Taeuber mit ihren „vertikal-horizontalen Kompositionen“ vollständig ungegenständliche (nicht abstrahierende) Bilder. Diese gehören zu den ersten konkreten / konstruktiven Kunstwerken der Moderne. Heute gilt Sophie Taeuber als eine Pionierin der Konstruktiven und Konkreten Kunst.



Vertical-Horizontal Composition 1916

 

Ausdruckstanz

Neben ihrer Tätigkeit als Kunsthandwerkerin begann sie 1915 eine Tanzausbildung bei Rudolf von Laban und Mary Wigman in Zürich. In mehreren Sommern tanzte sie zusammen mit Mary Wigman und anderen in der Künstlerkolonie auf dem Monte Verità oberhalb von Ascona.

 

Mary Wigman, Hexentanz                                           


Auf einer Ausstellung in der Galerie Tanner lernte sie Hans Arp kennen. Beide lehnten die traditionellen Kunstformen und Materialien ab und suchten nach Alternativen. Taeuber und Arp begannen, gemeinsam mit elementaren Formen zu arbeiten, zugleich intensivierte sich ihre Freundschaft. Hans führte Sophie auch in den Kreis der Dadaisten ein. Sophie Taeuber trat im Cabaret Voltaire als Ausdruckstänzerin auf. Zur Eröffnung der von Emmy Hennings gegründeten „Galerie Dada“ im März 1917 tanzte sie mit einer schamanischen Maske. Ein Jahr später war sie Mitunterzeichnerin des Dadaistischen Manifests von Zürich.

1918 entstand auch der erste ihrer berühmten „Dada-Köpfe“.

 


1926 erhielt Taeuber von André und Paul Horn den Auftrag, auf der Place Kléber in Strassburg die Aubette, ein multifunktionales Vergnügungszentrum mit Kino, Tanzsaal, Restaurant, Tea-Room und Bar, zu gestalten. Sie zog für das umfangreiche Projekt Hans Arp hinzu, sowie den befreundeten Künstler und Architekten Theo van Doesburg.

Den Auftraggebern schwebte bei der Gestaltung der Innenräume ein durchgestyltes Gesamtkunstwerk vor. In dem unkonventionellen Farb- und Formkonzept schlugen sich Vorstellungen der konkreten Kunst und Gestaltung von Sophie Taeuber-Arp, mit einer Vorliebe für ungegenständlich-geometrische Darstellungen, kubische Formen, rechte Winkel und eine Reduzierung der Farbpalette auf Schwarz, Weiss, Grau und die Primärfarben Rot, Blau und Gelb. Dieses strenge und wenig gefällige Konzept stiess bei den Besuchern auf wenig Gegenliebe. Bereits Ende der 1930er Jahre war die unkonventionelle, avantgardistische Innenausstattung massiv verändert, verdeckt oder gar zerstört worden.


Ciné-dancing nach der Renovierung, 2016

Mit der Errichtung eines grossen Einkaufszentrums 2014 begann auch eine Restaurierung der ursprünglichen Innenausstattung aus den 20er Jahren, deren Einzigartigkeit und Qualität als Kunstwerk von den Verantwortlichen der Denkmalpflege inzwischen anerkannt wurde.

Sophie Taeuber-Arp starb in der Nacht zum 13. Januar 1943 an einer Kohlenmonoxidvergiftung durch einen falsch gehandhabten Ofen im Haus von Max Bill.



Marionetten von Sophie Taeuber-Arp





Entschuldigt allfällige Orthographie Fehler, ich bin seit Karl dem Grossen der schwerste Legastheniker der Geschichte. Auch die Komasetzung ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln.


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