Malerinnen des Impressionismus
Krasse Fehleinschätzungen und Urheber-Lügen damaliger
Kunstkritiker trugen noch im 19. Jahrhundert dazu bei, dass Künstlerinnen
vergessen und Männer berühmt wurden. Die Kunstkritik tat die Künstlerinnen als
auf typische Frauenthemen beschränkte Dilettantinnen ab. Doch manchmal kamen
die Kritiker nicht umhin, die Qualität einzelner Bilder von Frauen anzuerkennen,
dann machten sie einmal mehr das Männliche zum Massstab: «… das Bild besitzt eine
Freiheit der Ausführung, die eines Mannes würdig ist, eines Mannes von grossem
Talent“.
Die Malerinnen, die zum inneren Kreis der Impressionisten
gehörten, stellten mit Claude Monet, Édouard Manet, Paul Signac, Pierre-Auguste
Renoir, Edgar Degas und Paul Cézanne am offiziellen Pariser Salon aus oder
organisierten gemeinsam Gegenausstellungen. Bei diesen Malerkollegen
galten sie als künstlerisch ebenbürtig. Die kunsthistorische Forschung
beurteilt heute die Unterschiede zwischen den Werken der Künstlerinnen und der
Künstler als absolut marginal.
Die Malerin Berthe Morisot schreibt dagegen: „Ich glaube
nicht, dass es jemals einen Mann gegeben hat, der eine Frau als absolut
gleichgestellt behandelt hat, und das war alles, was ich immer verlangt habe –
denn ich weiss, ich bin genauso gut wie die Männer“.
Berthe Morisot (1841–1895)
Berthe Morisot war die erste Frau in der Gruppe der
Impressionisten. Sie lehnte den konventionellen Stil ihres Lehrers Camille
Corot ab und entschied sich für die impressionistischen Manier der Malerei.
Eine enge Freundschaft verband sie mit dem Maler Édouard Manet, der sie
zwischen 1868 und 1874 wiederholt porträtierte.
Bei aller Annäherung an Manet bewahrte sie jedoch einen selbständigen Stil, häufig geprägt von lichthaltigen Farben und einer starken Betonung graphischer Mittel.
1874 heiratete sie Eugène Manet, den Bruder Édouard Manets.
Ehemann Eugène Manet auf der Isle of Wight, 1874
Ein Jahr später wurde ihre Tochter Julie Manet geboren
Unverzeihlicher Übergriff
Das Gemälde zeigt Berthe Morisots Mutter, lesend neben der auf dem Sofa sitzenden Edma.
Pierre Puvis de
Chavannes, einer der befreundeten Maler der Familie, kritisierte die aus seiner
Sicht misslungenen Köpfe. Berthe Morisot bat darauf Édouard Manet um Rat.
Dieser befand das Gemälde für in Ordnung; lediglich an dem unteren Rand eines
der Kleider fand er etwas zu bemängeln. Er nahm Berthe Morisots Palette und
Pinseln und setzte zuerst nur einige kleine Akzente, liess es dann aber nicht
dabei bewenden: »…einmal dabei, war er nicht mehr aufzuhalten; nach dem Kleid
nahm er sich den Busen vor, nach dem Busen den Kopf und schliesslich auch den
Hintergrund. Er riss einen Witz nach dem anderen, lachte wie ein Irrer, reichte
mir die Palette, nahm sie mir wieder ab; um fünf Uhr nachmittags hatten wir die
beste Karikatur geschaffen, die es je zu sehen gab».
Morisot litt unter den Folgen dieser ungewollten Überarbeitung
ihres Werkes. Sie zweifelte, ob sie das verfälschte Bild überhaupt noch am Pariser Salon ausstellen
sollte. Sie hoffte insgeheim, dass die Jury das Gemälde ablehnen würde, doch
ihr Wunsch erfüllte sich nicht. Ihrer Mutter gelang es aber, das Gemälde vorerst
zurückzuerhalten, sie hoffte die Rücknahme des Gemäldes würde Edouard Manet
deutlich machen, wie sehr er Berthe`s Grenzen überschritten hatte. Letztendlich
wurde das Bild erfolgreich im Pariser Salon gezeigt.
Am 2. März 1895 starb Berthe Morisot 54-jährig in Paris an
einer Lungenentzündung.
Marie Bracquemond (1840–1916)
Selbstbildnis an der Staffelei
Im Louvre lernte sie den Maler und Grafiker Félix
Bracquemond kennen, der in Limoges als Porzellanmaler und Grafiker tätig war.
Sie heirateten im August 1869. Marie wurde von ihrem Mann in seine Arbeit
einbezogen und schuf Entwürfe für Porzellan, Keramik und Wanddekorationen.
Der arrivierte Maler Paul Gauguin ermutigte die noch
unbekannte Marie Bracquemond, ihren konventionellen, akademischen Stil
aufzugeben und nach der neuen impressionistischen Manier zu malen, was ihr auf
Anhieb gut gelang. Mehrfach beteiligte sie sich nun mit ihren Arbeiten an den
Ausstellungen der Impressionisten.
Félix Bracquemond hatte wenig Verständnis für die neue künstlerische
Richtung seiner Frau, er war wohl auch eifersüchtig auf ihren Erfolg. Zermürbt von
der Kritik des Ehemannes, beschränkte sie ihre künstlerische Tätigkeit und gab
sie nach 1890 ganz auf. So kam es nicht zur völligen Entfaltung ihres Talents,
und der Umfang ihres Lebenswerks blieb begrenzt. Eine retrospektive Ausstellung
1919 zeigte etwa 90 zum Teil nur skizzenhafte Gemälde, 34 Aquarelle und neun
Stiche.
Gelangweilte Damen der Gesellschaft
«Nu dans un
intérieur», 1911.
Lilla Cabot Perry (1848 – 1933)
Lilla Cabot Perry widmete sich
erst nach der Geburt ihrer Kinder ernsthaft der Malerei.
In ihrem Werk kam es um 1889, nachdem sie Claude Monet
kennengelernt hatte, zu einem Stilwandel, der sich sowohl in der Technik wie
auch in den Motiven offenbarte. Perry trug von nun an die Farbe direkt auf und
setzte sich mit der Landschaftsmalerei auseinander.
Eine neue Inspiration trat 1897 in ihr Leben ein, als ihr
Mann eine Lehrstelle in Japan als Englischprofessor erhielt. Drei Jahre lang
lebte Perry in Japan und nutzte die einzigartige künstlerische Inspiration voll
aus. Im Oktober 1898 stellte Perry mit Unterstützung
von Okakura Kakuzō, eine der Mitbegründerinnen der Imperial Art School, ihre
Arbeiten in Tokio aus und wurde Ehrenmitglied der Nippon Bijutsu-In Art
Association.
Die japanische Kunst hatte grossen Einfluss auf Lilla Cabot
Perrys Arbeit und ermöglichte es ihr, einen einzigartigen Stil zu entwickeln,
der westliche und östliche ästhetische Traditionen zusammenbrachte. Der Fuji
wurde zum Thema von 35 oder mehr Gemälden und sie fertigte in den drei Jahren
in Japan insgesamt mehr als 80 Gemälde an.
Lilla Cabot Perry war zu ihrer Zeit international bekannt und in Künstlerkreisen angesehen. Dass Lilla Cabot Perry dennoch nach ihrem Tod in Vergessenheit geriet, war zum Teil ihrer künstlerischen Orientierung zum Impressionismus zuzuschreiben, der lange Zeit als weniger anspruchsvoll galt.
Entschuldigt allfällige Orthographie Fehler, ich bin seit Karl dem Grossen der schwerste Legastheniker der Geschichte. Auch die Komasetzung ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln.
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