"Peintres Femmes, Naissance d’un combat"
Kampf der Malerinnen um Anerkennung
Unter dem Schlagwort: «Naissance d’un combat » (Geburt eines Kampfes) zeigt das Pariser Musée du Luxembourg vom 3. März bis 4. Juli 2021 die Ausstellung «Peintres Femmes, 1780–1830».
Im Rausch der Französischen Revolution wollten sich auch die
Künstlerinnen einen angemessenen Platz in der Kunstszene erkämpfen. Für die
Malerin Rosalie Filleul endete der Freiheitskampf unter der Guillotine.
Malerinnen sind in der Kunstgeschichte rar. Man traute
Frauen lange Zeit gar nicht zu über Kunstgewerbliches hinaus Werke zu schaffen.
Töchter von Malern hatten anfänglich als einzige Chancen zu einer Ausbildung zu kommen.
Gelang ihnen ein herausragendes Gemälde wurde es meist im Nachhinein dem Vater
oder einem Lehrer zugeschrieben. So etwa die Bilder von Marie-Denise Villers, ihre
Werke sind häufig ihrem Lehrer Girodet-Trioson, aber auch dem bekannten
Napoleon-Porträtisten Jacques-Louis David zugeschrieben.
Anmutig und doch selbstbewusst schnürt sich "Madame Soustras" ihren neuen Schuh. Die zarte Frau steht mächtig wie ein Fels, unumstösslich im Bild. Könnte als Allegorie des feministischen Aufbruchs in der Kunst gesehen werden. Liegt der Fehde-Handschuh auch schon bereit?
"Madame Soustras" Marie-Denise Villers, 1802 - (Musée du Louvre)
Eines der heute bekanntesten Werke von Marie-Denise Villers ist die „Zeichnende junge Frau“ ein Selbstportrait aus dem Jahr 1801 (Metropolitan Museum of Art)
„L’atelier
de Madame Vincent“ von Marie-Gabrielle Capet
Marie-Gabrielle Capet reiste Im Jahr 1781 nach Paris, um in
der «Frauenschule für Malerinnen» bei der Künstlerin Adélaïde Labille-Guiard,
auch Madame Vincent genannt, Malerei zu studieren. Sie blieb lebenslang untertänige
Dienerin ihrer Lehrerin.
Das Bild zeigt alle grossen Künstler der Zeit im Atelier von
Madame Vincent versammelt. Adélaïde Labille-Guiard an der Staffelei
portraitiert den hochbetagten Historienmaler Joseph-Marie Vien (1716-1809) In
ihrem Rücken weist Ihr Ehemann François André Vincent auf eine Fehlstelle im
Bild hin.
Marie-Gabrielle hält als treue Assistentin der Meisterin die
Palette. Sie wirkt auf dem Bild von 1788 wie eine verhärmte Jungfer
vergleicht man es mit dem selbstbewussten, beschwingten Selbstportrait von
1783.
Künstlerin und Mutter
„L’auteur à
ses occupations“ von Marie Nicole Vestier
Das ironische Selbstportrait von Marie-Nicole Vestier
(1767–1846) macht das Dilemma deutlich. Unter dem Titel „Die Autorin hat so
ihre Beschäftigungen“ zeigt sie sich selbst bei der Arbeit an der Staffelei. Neben
ihr strampelt ein Baby in einem tragbaren Bettchen. Die berufstätige Mutter
wendet den Blick geradewegs dem Betrachter zu und weist mit der einen Hand auf ihr
Kind, in der anderen hält sie Pinsel und Palette. Weiter ist das Bild gefüllt
mit Hinweisen auf verschiedene andere Interessen der Künstlerin:
Rechts ein geöffnetes Klavier mit flatternden Noten und
königlichem Sitz
Unter dem Bebé stehen zwei übervolle Zeichenmappen
Im Hintergrund Bücher in mehreren Regalen
Auf dem Stuhl ein Buch mit Lesezeichen
Links ein Spiegel (evtl. auch ein Bild)
Wie auf Selbstportraits üblich – Malen in extravaganter Robe
Wer die Stupsnase ist, die sie malt, weiss ich nicht
Marie-Nicole Vestier macht mit diesem Gemälde ein Problem von damals und heute zum Bildthema.
Rosalie Filleul (1752 - 1794)
Die 1752 in Paris geborene, arrivierte Malerin Rosalie Filleul wurde von der französischen Königin Marie-Antoinette
zu einer Reihe Porträts der königlichen Familie eingeladen. Obwohl sie den gesellschaftlichen Aufbruch und die
Republik bejahte, hatte sie auch eine persönliche Nähe zur Königsfamilie.
Selbstportrait Rosalie Filleul, Mitglied der Académie de
Saint-Luc de Paris
Dieses Bild der Kinder soll in Marie-Antoinettes Schlafzimmer im Palast von Versailles gehangen haben. Es ist das einzige Gemälde aus der Reihe der königlichen Porträts von Rosalie Filleul, das die Französische Revolution überstanden hat.
Der König überliess Rosalie Filleul das zum Verkauf angebotene, sanierungsbedürftige
Schlösschen La Muette als Concierge. Dort veranstaltete sie eine Hochzeitsfeier
für die Tochter ihrer Freundin Marguerite Émilie Vernet. Die durch ihre
Beziehungen zum Königshaus bereits verdächtige Malerin wurde nun beschuldigt
Möbel (aus der Abstellkammer) dem Brautpaar verkauft zu haben und zu dem bei
dem Fest dem Staat gehörende Kerzen abgebrannt zu haben. Dem
revolutionären Extremismus folgend wurden Rosalie Filleul (42) und ihre
Freundin Marguerite Émilie 1794 zum Tod verurteilt und unter der Guillotine
geköpft. Warum gleichzeizig auch die Mutter von Rosalie Filleul hingerichtet
wurde, ist unbekannt.
Weitere Exponate der Ausstellung «Naissance d’un combat, Peintres Femmes, 1780–1830»
https://museeduluxembourg.fr/fr
Auch schon vor den Malerinnen des Romantischen
Klassizismus zeigten talentierte Frauen starke Bilder.
Sofonisba Anguissola (1531 – 1625)
Selbstbildnis - Lehrmeister Bernardino Campi lässt Sofonisba "entstehen"
Sofonisba hatte bereits einen guten Ruf als Porträtmalerin,
als sie 1559 auf Empfehlung des Herzogs von Alba, Fernando de Toledo an den
spanischen Königshof gerufen wurde, um Philipp II. und seine Familie zu malen
und als Hofdame die 14-jährige Elisabeth von Valois in Renaissance-Malerei zu unterrichten.
Sofonisba Anguissolas erstes Porträt der kindlichen Infantin Isabel fand der niederländische Maler Peter Paul Rubens so gut, dass er es kopierte.
Obwohl die Mädchen verschmitzt lachen, hat der Junge keine Erektion. Schamkapseln oder Gliedschirme waren im 16. Jahrhundert gross in Mode.
Modern wirkendes Portrait der spanischen Infantin Catalina
Micaela, eine Freundin der Malerin.
Renaissance Biograph Giorgio Vasari brachte ihren Arbeiten
grosses Interesse entgegen und nahm sie in sein Künstler-Almanach auf. Darüber
hinaus war Sofonisba Anguissola auch als Lehrmeisterin tätig. Als junge Frau
unterrichtete sie ihre Schwestern, später in den Vierzigern weitere junge
Künstlerinnen. Sofonisba Anguissola starb am 16. November 1625 im biblischen
Alter von 94 Jahren in Palermo.
Trauma-Verarbeitung in Bildern
Artemisia Gentileschi (1593 -
1653)
Die italienische Malerin gilt als bedeutendste Malerin des
Barock. Artemisia Gentileschi wurde vor allem in ihren frühen Arbeiten stark
von ihrem Vater, der gleichzeitig ihr Lehrer war, geprägt und übernahm dessen
Vorliebe für die Genauigkeit des Details sowie das barocke Pathos.
Ihr Vater schickte sie zu seinem Malerkollegen und Freund Agostino Tassi, der Artemisia vergewaltigte. Daraufhin strengte Orazio Gentileschi einen Prozess gegen den Vergewaltiger an, in dessen Verlauf Artemisia zur Überprüfung ihrer Aussage mit Daumenschrauben gefoltert und zudem einer entwürdigenden gynäkologischen Untersuchung unterzogen, um zu beweisen, dass sie nicht als Prostituierte tätig war.
Es wundert nicht, dass Artemisia in ihren Bildern oft Themen
aufgriff, die mit ihrem Trauma in Zusammenhang standen. Es waren meist klassische
Bildthemen, die sie allerdings in einer evokativen Eindrücklichkeit darstellt,
wie es zuvor keinem Mann gelungen ist.
«Der Kopf des Holofernes»
Im Buch Judit des Alten Testaments wird erzählt, dass der
Feldherr Holofernes die Stadt Betulia belagert. Da es an Wasser fehlt, sind die
Einwohner kurz davor, sich zu ergeben. Judit, eine fromme jüdische Witwe von verführerischem
Reiz entschliesst sich, ihre Stadt zu retten. Sie geht mit ihrer Magd und vollen Weinkrügen in das Lager von Holofernes Truppen, wo es ihr durch ihren Charme
gelingt, das Zelt von Holofernes zu erreichen.
Betört von ihrer Schönheit und Weisheit lädt Holofernes sie in sein Zelt ein. Um bei der erwarteten Liebesnacht nicht gestört zu werden, schickt er die Wachen weg. Judit macht ihn jedoch mit dem schweren Wein betrunken, und gemeinsam mit ihrer Magd enthauptet sie Holofernes kaltblütig. Judit und ihre Magd kehren mit dem abgeschlagenen Kopf im Korb nach Betulia zurück. Als die Soldaten morgens ihren enthaupteten Feldherrn entdecken, ergreifen sie in Panik die Flucht.
Obwohl Artemisia Gentileschi zu Lebzeiten sehr berühmt war,
geriet sie nach ihrem Tod in Vergessenheit. Erst in den 1960 Jahren wurde man –
im Zuge feministischer Bewegungen – wieder auf sie aufmerksam. Die
feministische Künstlerin Judy Chicago widmete Artemisia Gentileschi in ihrer
Arbeit «The Dinner Party» eines der 39 Gedecke am Tisch.
Entschuldigt allfällige Orthographie Fehler, ich bin seit Karl dem Grossen der schwerste Legastheniker der Geschichte. Auch die Komasetzung ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln.
Kontakt alexander@jent.ch






















