Wohlstand dank dem chinesischen
Volk?
Hätte China nach dem 2. Weltkrieg denselben Weg der forcierten
Industrialisierung und weltweiten Produktvermarktung wie Japan eingeschlagen,
wäre der breite Nachkriegs-Wohlstand in China und nicht in Europa und den USA
entstanden. Zu unserem Glück hat der Diktator Mao Zedong bis zu seinem Tod die
wirtschaftliche Entwicklung Chinas mit allen Mitteln verhindert. Lieber liess
er die Pfannen und Töpfe der Hausfrauen einschmelzen als eine effiziente Stahlindustrie,
die Grundlage einer wirtschaftlichen Entwicklung, aufzubauen.
Zur Erhöhung der Stahlproduktion mussten überall auf dem
Land kleine, einfache „Hinterhofhochöfen“ von den Bauern selbst gebaut und darin
Pfannen und Töpfe geschmolzen werden.
Der Vorsitzende Mao entlarvte auch den Spatz als dreisten Körnerdieb
und löste die „Kampagne zur Erschlagung der Spatzen“ aus. In Gegenden, in denen
die Vögel-Ausrottung ein Erfolg war, brachen schwere Schädlingsplagen aus, gefolgt
von schlimmen Hungersnöten mit Millionen Toten.
Die «Rote Kaiserin»
Maos vierte Ehefrau Jiang Qing, eine machtbesessene,
ehemalige Schauspielerin krempelte nicht nur die traditionelle Peking-Oper um. Kaiser,
Generäle, Gelehrte und Schönheiten mussten von der Bühne verschwinden, an ihre
Stelle traten Arbeiter, Bauern und Soldaten, die zu Helden hochstilisiert
wurden und als Vorbilder für das Volk dienen sollten. In acht «Muster-Opern»
zeigte die Kultur-Päpstin wo es zukünftig Inhaltlich und Formal auf der Bühne lang geht.
Jiang Qing wurde von Ehemann Mao auch beauftragt an der Peking-Universität die
„Gruppe Kulturrevolution“ zu gründen und von dort aus die Massenbewegung der Kulturrevolution
in ganz China zu verbreiten.
Darüber hinaus trug sie zur Zerstörung grosser
Bibliotheksbestände des alten China bei. In dieser Zeit nutzte die Despotin ihre
wachsende Machtfülle und liess missliebige Künstler und ehemalige Weggefährten
durch Schnellgerichte zum Tode verurteilen.
Erst nach der Entmachtung der «Viererbande» (1976) um Mao Witwe Jiang Qing konnte sich China von der maoistischen Ideologie befreien und die überfällige Entwicklung vom Agrarland zur Industriegesellschaft angehen. Dies brachte nach einiger Zeit den heute mässigen Wohlstand in China.
Verspätete Industrielle Revolution
Ein Agrarland hat nur sehr wenig Steuer- und Zolleinnahmen. Das Startkapital sind Menschen die bereit sind für einen knappen Lebensunterhalt zu arbeiten. So haben landflüchtige Bauernsöhne in China Stassen, Bahnstrecken, Seehäfen, Flugplätze, Fabriken, Universitäten, Kraftwerke und mehrere Millionenstädte gebaut. Nach den ersten Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung begann die Konsumgüter-Produktion. Die können aber erst gewinnbringend verkauft werden, wenn die Mehrheit der Bevölkerung mehr verdient als zum täglichen Leben nötig ist. Also steigen die Löhne und der Wohlstand geht in die Breite. Sehr einfach und verkürzt gesagt.
Dieser Entwicklungsprozess ist in allen Industriestaaten nach
dem selben Muster verlaufen. In den USA wurden erst durch den «New Deal» nach
der Weltwirtschaftskriese Anfang der 1930er Jahre die Bevölkerung durch Wirtschafts-
und Sozialgesetze von der übermässigen Macht des Kapitals und vor der Verarmung
wenigstens teilweise geschützt. Zudem stiegen durch den «National Recovery Act»
die Löhne und somit wurden die Arbeiter besser am wirtschaftlichen Erfolg
beteiligt und konnten nun auch vermehrt Konsumgüter kaufen.
Die Arbeit der Männer die im 19. Jahrhundert bei der Industrialisierung der Schweiz im Bahnbau beschäftigt waren, wurde pro Tag mit einem Fünflieber abgegolten, was kaum für den Lebensunterhalt eines Junggesellen reichte. 20 Jahre später konnten sie sich durch Lohnerhöhungen aber schon eine 2te Hose und eine Taschenuhr leisten und kurbelten damit das Bruttonationaleinkommen an (Wert aller Warenproduktion und Dienstleistungen eines Landes).
China Spielball fremder Mächte
Kurzer Ausflug in die chinesische Geschichte
Neben der berechtigten Angst vor einer neuen, schwer
einzuschätzenden Weltmacht spürt man aber auch Missgunst. Die Völker Chinas
haben eine leidvolle Geschichte hinter sich. Jahrhunderte lang von Kaisern
unterjocht, dann von den Engländern ausgebeutet (Opium-Kriege), von den
Japanern überfallen, 22 Jahre Bürgerkrieg, von der maoistischen Ideologie (Kulturrevolution) über 30 Jahre lang unterdrückt und
zuletzt Kampf um Demokratisierung (Tian’anmen-Platz Massaker/ Hongkong).
Chinesische Verteidigung: Sechs Mann und eine mittelalterliche Arkebuse
Bis ca. 1820 erzielte China
einen Aussenhandelsüberschuss. Insbesondere Grossbritannien hatte ein massives
Handelsdefizit mit China von 20 Millionen Pfund jährlich, vor allem durch den
hohen Teeimport bedingt. Um das Handelsbilanzdefizit abzubauen exportierte ab
etwa 1820 die britische East India Company verstärkt Opium nach China, obwohl
der Import von Opium verboten war. Zwischen 1821 und 1837 verfünffachte sich
die umgeschlagene Menge Rauschgift. Dies führte nun zu einem
Handelsbilanzdefizit auf chinesischer Seite.
Lager einer
Opiumfabrik in Patna, Britisch-Indien, ca. 1850
Grossbritannien setzte im
Ersten Opiumkrieg (1839-1842) und im Zweiten Opiumkrieg (1856–1860) mit
militärischer Gewalt durch, Opium nach China einführen zu können. Die Regierung
des Vereinigten Königreichs nahm bei der Durchsetzung seiner Wirtschaftsinteressen
in Kauf, dass Millionen Chinesen abhängig von Opium wurden, was zu grossen sozialen
und wirtschaftlichen Problemen führte. Zudem musste China Hongkong an Grossbritannien
abtreten.
Nach dem zweiten Opiumkrieg
musste China weitgehende Zugeständnisse nicht nur an Grossbritannien, sondern
auch an Frankreich, Russland und die USA machen. In der Folge kam es zur «Politik
der offenen Tür» (ungehinderter Marktzugang) in China. Der Schaden an der
chinesischen Wirtschaft war irreversibel. Grosse Teile der Ökonomie brachen
zusammen, Massenarmut war die unmittelbare Folge. Welche den Nährboden für die nachfolgende
kommunistische Revolution in China bildete.
Machterhalt durch Kulturrevolution
Anfang der 1960er Jahre fand eine
ungewollte Demokratisierung in der Kommunistischen Partei Chinas statt. Die «parlamentarischen»
Einrichtungen wie das Politbüro und das Zentral-Komitee gewannen an Einfluss.
Das konnte dem Autokraten Mao Zedong nicht recht sein, der noch unangefochtene Allein-Herrscher
startete eine Politkampagne, die zum blutigen Umsturz ausuferte. Gleichzeitig
lancierte er den Mao-Kult.
Mit der vordergründigen
Zielsetzung, kapitalistische, bürgerliche und traditionalistische Reste in der Kultur
und der Gesellschaft durch eine Fortsetzung des Klassenkampfs endgültig zu
entfernen, ging die brutale Bewegung mit massiven Menschenrechtsverletzungen
und politischen Morden einher. Erst «verstarben» die designierten Mao
Nachfolger Liu Shaoqi und Lin Biao. 72% der Politbüro- und 66% der Zentral-Komitee
Mitglieder tauschte Machtmensch Mao innert kurzer Zeit durch Marionetten aus.
Mao Zedong konnte zu Beginn
noch wesentliche Teile der Bevölkerung für die Kulturrevolution gewinnen, jedoch
wurden die in den letzten Jahren angeordneten Massenbewegungen zu lustlos
abgehaltenen Pflichtübungen.
Die Kampagnen konzentrierten
sich auf Politik, Kultur und öffentliche Meinung. An den Universitäten wütete
die Kulturrevolution mit teilweise grenzenloser Grausamkeit. Etliche ältere Professoren
wurden von den Roten Garden brutal totgeschlagen. Andere Lehrkräfte mussten von den
Studenten schlimmste Demütigungen über sich ergehen lassen.
Die Zahl der durch die
Kulturrevolution getöteten Menschen liegt nach den vorliegenden Schätzungen,
trotz teilweise politisch motivierten Angaben, immerhin zwischen
Hunderttausenden und 20 Millionen Toten.
Darüber hinaus waren viele
Millionen Menschen Folter und anderen physischen und psychischen Misshandlungen
ausgesetzt und landeten in Gefängnissen und Arbeitslagern. Eine grosse Zahl von
Intellektuellen wurde in entlegene Gegenden des Landes verbannt.
Trotz den grausamen Erfahrungen lehnt sich das chinesische Volk immer wieder gegen die staatliche Willkür auf.
Tian’anmen-Platz Massaker (1989) Massenproteste in Hongkong
Streitobjekt On-Line-Handel
Der vom Westen propagierte
sogenannte «Freie Welthandel» hat durch das aufstrebende China ein
Schreckgespenst gezeugt. Die meisten Länder haben einen Importüberschuss
gegenüber China, so importierte die EU 2020 für 383,5 Milliarden Euro aus China,
konnte aber lediglich für 202,5 Milliarden Euro Waren ins Reich der Mitte liefern.
Nicht nur im Grossen, auch im scheinbar Kleinen summiert
sich das Handelsdefizit. Bestellt man über Alibaba ein Paar Flip Flop (35,249 Angebote,
billigstes USD 3.40 inkl. Versand) fallen für den Schweizer Fiskus weder Zoll noch
Steuerabgaben ab. Würde man aber in einem Schuhgeschäft kaufen, müsste sowohl
der Ladenbesitzer als auch der Importeur den Gewinn versteuern und zusätzlich
Mehrwertsteuer und Zollgebühren bezahlen. Allerdings sind dann die Slipper um
ein Mehrfaches teurer, obwohl aus demselben chinesischen Betrieb und von der gleichen
unterbezahlten Fabrikarbeiterin gefertigt.
Unverständlich ist, dass der Weltpostverein China immer noch
als subventionsberechtigtes Entwicklungsland einstuft und somit der
Export-Weltmeister 2020 von stark reduzierten Versandkosten profitiert. Zwar wurde
eine Anhebung der Sonderposttarife für China beschlossen, doch über mehrere
Jahre hinweg und in kleinen Schritten.
Die Plattformen von Alibaba werden auch von europäischen und
amerikanischen Firmen zur Eroberung des riesigen chinesischen Konsumentenpotentials
genutzt. Mit teilweise absoluten Dumpingpreisen (bis zu 90% billiger) brechen
sie in den chinesischen Markt ein.
Die Alibaba Group hat es sich zum Ziel gesetzt, durch ihre On-Line-Plattformen
Geschäfte überall auf der Welt zu vereinfachen. Dafür baut das Unternehmen die
zukünftige Infrastruktur für den internationalen Handel auf, so Alibaba-Gründer
Jack Ma.
Auch die Migros hat
ihr Glück im neuen Land der unbegrenzten Möglichkeiten gesucht. Mit grossem
Tam-Tam eröffnete der orange Riese 2018 auf einer Alibaba Plattform einen
On-Line-Shop. Von Rösti bis zum Waschmittel reichte das Sortiment von «Orange
Garten», wie das chinesische Migros-Kind getauft wurde. Ausgerechnet ein
Markenname mit zwei «R», wo doch hinlänglich bekannt ist, dass der Zungenlaut
«R» in der chinesischen Sprache nicht vorkommt und die Lautbildung erst erlernt
werden muss.
Mit dem On-Line-Shop habe die Migros nun Zugang zu 488 Millionen aktiven Konsumenten, zudem verzeichne man in China eine zunehmende Nachfrage nach hochwertigen Produkten, meinte 2018 Walter Huber, Mitglied der Generaldirektion der Migros.
Der Orange Garten blüht nicht
Schon nach zwei Jahren stellte der Orange Riese enttäuscht
die Zusammenarbeit mit Alibaba still und leise wieder ein. Mit der weltweit
höchsten Gewinnmarge aller Grossverteiler war für die Migros im Reich der Mitte
kein Geschäft zu machen.
Alibaba ein Dorn im Fleisch der Migros
Nun wechselt die Migros die Seite und bekämpft Alibaba. Der
orange Riese fordert, Container mit falsch deklarierter Importware an die
chinesische Post zu retournieren. In einem Schreiben an rund 300 Politiker und
Interessensvertreter provoziert der gescheiterte Grossverteiler mit einem
protektionistischen Vorschlag: «Da die Pakete aus China in Schiffscontainern an
der Grenze eintreffen, wären dort Stichproben möglich. Erfüllt ein bestimmter
Prozentsatz der Pakete die Deklarations-Anforderungen nicht, wird der gesamte
Container an die chinesische Post zurückgeschickt.»
Kontakt alexander@jent.ch











