Adriano Celentano – Vom Bad Boy zu Papas Liebling

 

 



Celentanos Kredo

Durch alle Phasen seiner langen Kariere begleitete ihn sein gesungenes Kredo, mit dem er sich schnell in die katholischen Herzen Italiens geschlichen hat - «Pregherò» (Ich werde beten). Mit der Melodie von «Stand by Me» (When the night, has come and the land is dark) missioniert der Cantautore mit neuem Text. Aus «Darling» wird der «Liebe Gott» und die dunkle Nacht schleicht sich vom Land ins Herz:

Ich werde für dich beten. Warum hast du die Nacht in deinem Herzen? Und wenn du es willst, wirst Du glauben.

Ich weiss warum Du keinen Glauben hast. Aber wenn du es willst, wirst Du glauben. Du musst die Sonne nicht hassen, weil du sie nicht sehen kannst.

Aber es gibt sie. Stunden scheint sie auf uns, über uns aus dem Kastell der Stille. Er sieht auch dich. Und ich fühle schon, dass du es auch sehen wirst.

Er weiss, dass du es sehen wirst, aber mit meinen Augen, auch die Welt. Sein Licht wird zurückkommen. Ich liebe dich, liebe dich, liebe dich.

Dies ist das erste Zeichen, das es gibt von deinem Glauben an den Herrn. An Gott, an Gott. Ich liebe dich, liebe dich, liebe dich.

Der Glaube ist das schönste Geschenk, das Gott uns gibt. Ihn zu sehen, und dann wirst du sehen, du wirst sehen, du wirst sehen, du wirst sehen.


Kopf oder Hose?

Begonnen hat Adrianos Glaubenskarriere 1963 als TV-Neuling, der sich mit übertriebener Mimik selber Mut zu machen scheint. Zu dem zittrigen Jammer-Gesang trägt Adriano Hippie-Hosenträger und eine beutelbetonende Hochbund-Hose, die zeitweise dem italienischen Fernsehen wichtiger scheint als Adrianos Gesicht. Das Ganze tönt wie ein flehendes Glaubensbekenntnis eines Ertrinkenden, der noch einmal nach Luft schnappt.

 



Überfälliger Imagewandel

Den längst angesagten Imagewechsel versucht Celentano in den 2000er noch mit Strick-Käppi, 80er Jahre Schulterpolster und Over-Size Schlabber-Hosen hinauszuzögern. Trotzdem singt das Publikum in der Arena von Verona  begeistert das Glaubensbekenntnis mit.

 



Das Käppi mit integrierten LED-Lämpchen mag zwar den fortschreitenden Haarausfall verdecken, doch dass er sich zwischendurch, um wieder zu Atem zu kommen, beim Pianisten ausruhen muss, zeigt, dass seine jugendliche Virilität  verflogen ist.

Im Hintergrund macht noch während seines Auftritts der Hausmeister auf der Bühne bereits Stühle und Tische für die ersehnte After-Show-Party bereit.      


Lässig mit Whisky Glas   

Mit dem lichten Haar abgefunden, scheinbar abgeklärt, schlendert er lässig mit einem Whisky-Glas in der Hand vor die Kameras.

 

Live-Show - Francamente me ne infischio- (Ehrlich gesagt ist es mir egal)


Das italienische Fernsehen Rai Uno scheint von seinem coolen Kredo so überzeugt, dass es eine wortwörtliche Über-Blendung auf das Antlitz Gottes einfügt.

 


Mehr Begeisterung als Celentano legt aber der Dirigent an den Tag, in seiner Begeisterung schlägt er zum Schluss noch die Notenblätter vom Pult.   

 

Blinden Seher

Entzaubert und scheinbar von allen weltlichen Illusionen befreit gibt er den Blinden Seher. Weitsichtig prophezeit er, dass du dereinst an Gott glauben wirst.

Die Musiker treten mit weissem Hemd und Krawatte auf,  Celentano begnügt sich mit einem dunklen Unterhemd. Auf protzigen Schmuck mag er aber nicht verzichten. Wahrend die adretten Background-Sängerinnen lasziv ins Mikrofon plärren, singt St. Adriano innbrünstiger denn je sein Kredo.  




Zwar singt Adriano eine Liebeserklärung an Gott (Io t` amo, t` amo…), trotzdem fliegen ihm die Frauenherzen zu.



 

Konzert für den Papst 

Als Höhepunkt seiner Glaubenskariere tritt Celentano als intellektueller Lobpreiser von Papst Johannes Paul II auf. 


Discorso per Papa Karol Józef Wojtyła

Geschmeidig nimmt er bei Papst Wojtyla die Missionarsstellung ein. Mit dunklem Anzug, kragenlosem Priesterhemd und Intellektuellen-Brille (die Kroko-Leder-Cowboy-Stiefel aus dem letzten Leben hat er aber immer noch an den Füssen) gibt er eine Lobhudelei von sich:

«Heute ist ein Festtag, Kinder, dank dem Heiligen Vater, den ich mit viel Liebe begrüsse, konnten wir dieses Event organisieren, um euch Gott näher zu bringen und ihn (den Papst) besser kennen zu lernen. Er ist nicht der alte Mann, der Jeden nach seinem Gesetz bestraft, nein, er ist jung, ewig jung, wie wir es sein werden eines Tages, wenn wir ins Himmelreich eintreten.»

 

Adriano Celentano singt «Pregherò» für den Papst



 

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