Vorsicht, nur für starke Nerven!
Die Persönlichkeit eines Menschen baut sich in drei Phasen
auf, die Epigenetische Auswahl, Übermittlungen der Mutter an den Fötus,
Entwicklungspsychologie des Kleinkindes. Obwohl wir nicht an unserer
Persönlichkeitsentwicklung gestaltend beteiligt sind, sind wir trotzdem
gezwungen lebenslänglich danach zu handeln.
Epigenetik
Nach dem Eindringen des Spermiums in die Eizelle wird als Erstes
die Epigenetische-Auswahl getroffen, das heisst bestimmte Sequenzen der alles
umfassenden menschlichen DNA werden aktiviert. Nicht nur Augen- und Haarfarbe
werden vorbestimmt, auch die grundlegende Persönlichkeitsstruktur wird
unveränderbar festgelegt. Ob Choleriker oder Melancholiker, ob musisches oder
mathematisches Talent, ob hochbegabt oder durchschnittlich intelligent, ob hetero-
oder homosexuell ist bereits vor der ersten Zellteilung unverrückbar
festgelegt. Diese Präpositionen können untereinander Kombinationen eingehen. So
kann eine Religions-Gen-Komposition, dich entweder zum leichtgläubigen Kirchgänger
oder zum heil-losen Grübler machen.
Die vorgeburtlichen Persönlichkeitsanteile bestimmen lebenslänglich,
wie wir die Dinge wahrnehmen, beurteilen und wie wir handeln werden. Stehen
verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten zur Wahl wird die epigenetische
Kontrolle den letztendlichen Entscheid vorgeben.
Schon in den 60er Jahren zeigte ein wissenschaftliches
Experiment, dass das Unbewusste Vorentscheidungen trifft. Die Probanden sollten
zu einem beliebigen Zeitpunkt einen selbstgewählten Finger ihrer Hand bewegen,
dabei wurden die Hirnströme beobachtet. Etwa eine Sekunde vor dem Ausführen der
Handlung wurde jeweils in den entsprechenden Hirnarealen deutliche Aktivität
gemessen. Untersuchungen mit den neuen bildgebenden Verfahren haben ergeben,
dass das Ergebnis einer Entscheidung bis zu zehn Sekunden vor dem Bewusstwerden
in Hirnaktivierung kodiert sein kann.
"Das legt nahe, dass die Entscheidung der
Versuchsperson, wenn sie (die Entscheidung) bewusst wurde, schon bis zu zehn
Sekunden lang durch unbewusste Hirnaktivierung beeinflusst worden war." Chun
Siong Soon: Unbewusste Determinanten freier Entscheidungen im menschlichen
Gehirn (Neurosience 11/2008)
Einflüsse während der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft übermittelt das Gehirn der
Mutter durch Botenstoffe an das fötale Gehirn Botschaften. Zum Beispiel, ob
sich die werdende Mutter auf das Kind freut oder ob sie lieber gar nicht
schwanger wäre. Dies trifft ein von Grund auf melancholisches Wesen anders als
eine durchsetzungsfähige, cholerische Natur und somit ist diese vorgeburtliche Erfahrung
ein weiterer Akt der Persönlichkeitsentwicklung auf Grund der epigenetischen
Vorprogrammierung.
Auch Depressionen der Mutter während der Schwangerschaft
wirken sich negativ auf die Persönlichkeitsentwicklung des Fötus aus. Der
Hormonstatus der Neugeborenen ähnelt oft dem die Depression auslösenden Werte ihrer
Mütter mit erhöhten Cortisolwerten und verringerten Serotonin- und
Dopaminspiegeln (- «Glückshormone»).
Pränatale Entwicklung des Gehirns
«Die Grundlage von Wahrnehmung, Erleben und Verhalten ist
das Gehirn. Während der Schwangerschaft entsteht ein riesiges neuronales
Netzwerk, die Grundlage jeder menschlichen Erfahrung. Zum Zeitpunkt der Geburt
hat das kindliche Gehirn mit etwa 100 Milliarden Neuronen ebenso viele wie das
eines Erwachsenen. Jede Nervenzelle ist dann synaptisch mit etwa 2500 Zellen
verbunden, nach einem Jahr mit etwa 15 000.» Dagmar Beate Skoruppa:
Entwicklungsschritte des fetalen Gehirns.
Entwicklungspsychologie im Kleinkindalter
Die Pränatal- und die Entwicklungspsychologie sind breite
Forschungsgebiete auf denen Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen mit
unterschiedlichen Ansätzen forschen und forschten.
Mutter – Kind Interaktion
Stufen der Ich-Entwicklung
(Jane Loevingers)
Emotionale Entwicklung
Fähigkeit zur sozialen Anteilnahme (Simion Dondi)
Epigenetik und Neurologie
(Gerhard Roth)
Pränatalpsychologie und LSD-Forschung (Stanislav Grof,
Hanscarl Leuner)
Unauslöschliche Prägungen
Je nach Modell und Forschungsansatz dauert die Prägungsphase
18 – 36 Monate eingeteilt in «Sensible Zeitfenster» in
denen bestimmte Erlebnisse zu Prägungen werden.
In einem Experiment wurden neugeborene Kätzlein, nachdem sie
die Augen geöffnet hatten, 14 Tage (Sensibles Zeitfenster) in einem vertikal gestreiften
Raum gehalten. Die Vergleichsgruppe in einem horizontal gestreiften
Raum. Diese Katzen rannten lebenslang problemlos Treppen, ja Leitersprossen
hoch. Während die Katzen aus dem vertikal gestreiften Raum behände Baumstämme
und Telefonmasten hochkletterten, jedoch nur unsicher Treppen hinauf und herab stiegen.
Noch deutlicher zeigen die Experimente, die der
Verhaltensforscher Konrad Lorenz mit Gänsen gemacht hat wie absolut verbindlich
und auch willkürlich Prägungen sein können. Lorenz untersuchte die
Nachlaufprägung und fand heraus, dass Gänse in den ersten 15 Stunden nach dem
Schlüpfen das Erste, das sich bewegt und Laute von sich gibt, es kann eine
Schuhschachtel oder ein Mensch sein, bis zur Selbstständigkeit und darüber
hinaus nachläuft.
Nobel-Preisträger Konrad Lorenz im Gänsemarsch
Dank der Nachlaufprägung gelingen ungeahnte Flugaufnahmen von Vögeln
Narzisstische Persönlichkeitsstörung
Auch das Ausbleiben erwarteten Erlebens kann psychische
Störungen hervorrufen. Wenn ein Säugling die erwartete Zuwendung, Bewunderung
und Lob im vorgegebenen Zeitfenster nicht erhält oder gar Ablehnung erfährt,
wird er lebenslänglich Bewunderung, Anerkennung ohne Leistung, Sonderbehandlung
und alle anderen Ansprüche, die ein Säugling natürlicherweise hat und die ihm
nicht erfüllt wurden voraussetzen. Zudem entwickelt sich ein allgemeines
Berechtigungsdenken und er kann sich auch leicht als Opfer fühlen, wie es einem
Kleinkind in diesem Falle zustehen würde.
Ist der Mensch schuldfähig
Es stellt sich die Frage, ob ein seinen Prägungen
unterliegender Mensch im juristischen Sinn sich überhaupt strafbar verhalten
kann. Die Justiz geht davon aus, dass jeder Straftäter zwischen der
Entscheidung zu einer kriminellen Handlung bis zu deren Ausführung Zeit hat
sich umzuentscheiden, und somit für seine Tat zur Verantwortung gezogen werden
kann. Bei Affekttaten ist dies allerdings kaum möglich (Bewusstseinsfenster max. 5 Milli-Sekunden), desshalb werden
Handlungen im Affekt meist auch milder als geplante Verbrechen bestraft.
Somit sollten wir bedenken, dass wenn uns ein Mensch Böses
tut, er es nicht aus freiem Willen, sondern vorgegebenen, neuronalen Zwängen und
Verhaltensmustern folgen muss.
Entschuldigt allfällige Orthographie Fehler, ich bin seit Karl dem Grossen der schwerste Legastheniker der Geschichte. Auch die Komasetzung ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln.
Kontakt alexander@jent.ch


